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Was bedeutet ein „No Show“ für uns Tätowierer? Übersetzt in ein normales Angestelltenverhältnis:

Was bedeutet ein No Show für uns Tätowierer?
Übersetzt in ein normales Angestelltenverhältnis:

Was bedeutet „No Show“?
Ein „No Show“ bedeutet, dass ein Kunde ohne Absage nicht zu seinem Termin erscheint oder so kurzfristig absagt bzw. verschiebt, dass der Termin praktisch nicht mehr neu besetzt werden kann.

 

Stell dir vor, du gehst zur Arbeit.

Musstest zuhause in deiner Freizeit schon mehrere Stunden etwas für deinen Arbeitstag vorbereiten. Sagen wir 4 Stunden.

Unentgeltlich. Zählt nicht in dein Stundenkonto. (Stellen wir uns das einfach mal vor.)

Dann bist du auf der Arbeit.
Bereitest alles vor für deinen Arbeitstag. 1/2–1 Stunde, je nachdem, was du gestern vielleicht schon erledigt hast.

Nun wartest du auf deinen Kunden / Kollegen / Chef, denn heute steht ein Projekt an, welches du alleine nicht beginnen kannst.

30 Minuten vergehen.
Keiner kommt.

45 Minuten.
Keiner geht ans Telefon.

60 Minuten später sagt dein Chef dir:

„Du kannst nach Hause gehen. Heute wird nichts mehr gemacht.“

Okay. Klingt erstmal vielleicht sogar ganz nett. Vielleicht ist sogar schönes Wetter.

Jetzt kommt aber die eigentliche Problematik:

Deine komplette Vorarbeit war umsonst. Das Projekt ist gestrichen.

Als wäre das nicht schon ärgerlich genug, sagt dein Chef dir jetzt noch Folgendes:

Der heutige Arbeitstag wird dir vom Gehalt abgezogen.
Auch die 1,5–2 Stunden, die du bereits da bist.

Warum?

„Naja, das Projekt konnte ja nicht begonnen werden.“ Ja, ist nicht deine Schuld, trotzdem. Gestrichen → kein Lohn!

Du bekommst also keinen Lohn.
Hast vorher schon viel Zeit, Energie und Hirnschmalz investiert. Vielleicht sogar andere Projekte abgesagt, weil du keine Zeit mehr hattest. (100% für den Tag, 50% für den halben Tag Vorarbeit, also 1,5 Tage unbezahlt.)

Und jetzt wird’s noch verrückter:

Dein Chef verlangt zusätzlich noch Geld von dir.

Anteilig auf den Ausfalltag runtergebrochen:
Für deinen Arbeitsplatz.
Für Miete.
Für Strom.
Für Versicherungskosten.
Lohnnebenkosten wie Krankenkassenbeiträge, Renten- und Pflegeversicherung. (Lohnsteuer fällt weg.)

Die Materialien, die du bereits für das geplante Projekt vorbereitet hast und jetzt wegwerfen musst?
Die zahlst du natürlich ebenfalls.

Er will also Geld für alle laufenden Kosten, die entstehen, damit du dort arbeiten kannst. Das wären in etwa, sagen wir, 50% deines Tageslohns. (Das kostet zumindest uns unser Arbeitsplatz auf jeden Fall. Steuern rausgerechnet, die fallen für diesen Tag nicht an, da kein Umsatz reingearbeitet wurde.)

Das reicht aber noch nicht. Ja, da kommt noch etwas, was du regeln oder abfangen musst.

Übrigens waren für dieses Projekt vielleicht noch weitere Arbeitstage reserviert. Sagen wir mal 2–5. Ebenfalls gestrichen!

Diese Tage musst du jetzt irgendwie wieder gefüllt bekommen. Bekommst du diese nicht gefüllt, naja, dann wiederholt sich das Szenario. Nicht ganz (Vorarbeit muss nicht nochmal geleistet werden), aber die 2–5 Tage hast du unentgeltlich frei. (100% Gehaltsverlust pro Tag + 50% deines Tagesgehalts an Kosten, die dein Chef von dir will.)

Und jetzt stell dir vor:
Du findest kurzfristig keinen Ersatz für dieses Projekt.

Dann wiederholt sich das Ganze nochmal.
Und nochmal.
Und nochmal.

3–5 komplette Arbeitstage Verlust.
Für EIN einziges Projekt. Und dich trifft keine Schuld.

Nun rechnen wir das mal auf:

100% Gehaltsverlust Tagesgehalt. (Für den „No Show“-Tag.)

Nochmal ungefähr 50% eines normalen Tagesgehalts, auf denen du bereits sitzen bleibst, bevor der eigentliche Arbeitstag überhaupt angefangen hat.

Plus zusätzlich sagen wir nochmal 50% Kosten, die du trotzdem zahlen sollst. (Arbeitsplatzkosten.)

Dich kostet also das gestrichene Projekt richtig Geld!

Du bekommst 1 1/2 Arbeitstage nicht bezahlt und hast für jeden dieser unfreiwilligen „Urlaubstage“ laufende Kosten zu tragen. Und das vielleicht nicht nur für den einen Tag, sondern gleich mehrmals. Vielleicht sogar bis zu 5 1/2 Arbeitstage.

Und das, obwohl DU zuverlässig warst. Du kannst NICHTS dafür.

Genau das ist bei uns ein No Show. Oder „kurzfristige“ Terminverschiebungen, denn auch diese führen oftmals zu einem unfreiwilligen, unbezahlten „Urlaubstag“, der auch noch Geld kostet, da die laufenden Kosten ja bezahlt werden wollen.

Jetzt sagt aber dein Chef wenigstens:

„Okay, pass auf, du bekommst einmalig 10–20% deines eigentlichen Bruttotageslohns als kleine Entschädigung.“ (Bei uns wäre das die sogenannte „Anzahlung“. Nicht mehr, nicht weniger.)

200% Verlust gegen 10–20% Entschädigung. Bei einem einmaligen unfreiwillig gestrichenen Urlaubstag.

200% am ersten gestrichenen Tag.

  • 150% für den zweiten, den du nicht neu besetzt bekommen hast. (Wir wiederholen: 100% Ausfall + 50% Kosten.)
  • 150% für den dritten Tag. Und so weiter. Im Worst Case sind das 800% (bei 5 Tagen) bei einmaliger Entschädigung von 10–20%.

Aber hey, sei froh. Du hast immerhin 20% Entschädigung erhalten. Stell dich nicht so an.

Oder stell dir vor, der Chef hat dir das zugesichert und diskutiert dann doch mit dir, ob du sie wirklich bekommst. (Nicht unüblich bei uns.)

Das reicht aber immer noch nicht. Wieso? Was soll denn noch kommen? Pass auf.

Nun stell dir vor, das passiert in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen.

Manchmal 1x im Monat.
Manchmal 5x im Monat.

(Wie gesagt: Dieses Szenario ist sowohl bei No Shows als auch bei „kurzfristigen“ und bei der derzeitigen wirtschaftlichen Lage, ja, sogar nicht selten bei langfristigeren Absagen oder Verschiebungen der Fall → vor allem in den erkältungsrelevanten Monaten, in den urlaubsrelevanten Monaten, in den Sommermonaten, wenn der Sprit steigt, wenn Lebensmittel teurer werden, wenn die Inflation eben kickt, wie derzeit.)

In manchen Monaten hast du die Terminverschiebungen und Ausfälle, geplatzten Projekte und No Shows aus vergangenen Wochen noch nicht wieder neu belegen oder finanziell ausgleichen können, gleichzeitig kommen aber zusätzliche Ausfälle dazu. Ein Kreislauf. Du hast ständig wieder Lohnausfall und zusätzlich Kosten, damit du deinen Job nicht verlierst.

Stell dir vor, in manchen deiner Arbeitsmonate bricht dir ein Arbeitstag weg, den du aber trotzdem zahlen musst. In manchen Monaten 5 oder 8 oder mehr.

Stell dir vor, du wirst dann auch noch krank. Dein Chef hat die Lohnfortzahlung bei Krankheit gestrichen und stellt dir wieder deinen Arbeitsplatz in Rechnung. Oder dein Urlaub ist auf einmal unentgeltlich und Kosten hast du auch noch für deinen Arbeitsplatz.

Und dann noch die unverschuldeten Ausfälle, die du kompensieren sollst. Wie sollst du das machen? Letzten Monat hast du durch so ein Szenario nur 5 Tage arbeiten können. 5 Ausfälle aus verschiedenen Gründen und dann hast du dir auch noch einen grippalen Infekt eingeholt. Und warst ganze 2 Wochen krank.

Verdammt. Stell dir das nur einmal kurz vor.

Nein, das sind alles keine Übertreibungen. Solche Szenarien kommen vor. Das ist einfach die Realität.

Einfach nur mal vorstellen. Wie wäre das so für dich?

Und nein, das fällt nicht komplett unter unternehmerisches Risiko. Im unternehmerischen Risiko sind vielleicht eigene Krankheit und andere Dinge einkalkuliert. Aber unvorhersehbare Ausfälle in solchen Maßen? So etwas kann man gar nicht kalkulieren.

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